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Insolvente Firmen kaufen: Chancen und Risiken

in Unternehmen
Lesedauer: 4 min.

Etwa 17.800 Unternehmensinsolvenzen wurden in Deutschland im Jahr 2023 vom Statistischen Bundesamt erfasst. Hinter jeder dieser Zahlen stecken Maschinen, Kundenbeziehungen, Marken, Mitarbeiter und Produktionskapazitäten, die nicht einfach verschwinden. Für Käufer mit klarem Plan kann genau das die Gelegenheit sein, zu einem Bruchteil des eigentlichen Marktwerts in ein funktionierendes Geschäftsfeld einzusteigen. Dass das kein Selbstläufer ist, versteht sich von selbst.

Was beim Kauf einer insolventen Firma wirklich passiert

Der Begriff „Insolvenzverkauf“ klingt simpler, als er ist. Rechtlich gibt es zwei grundverschiedene Wege: den Asset Deal und den Share Deal. Beim Asset Deal kauft man einzelne Vermögenswerte aus der Insolvenzmasse, also etwa Maschinen, Lagerbestände, Verträge oder die Marke. Beim Share Deal übernimmt man die Gesellschaftsanteile selbst, inklusive aller offenen Verbindlichkeiten, laufenden Prozesse und steuerlichen Altlasten.

In der Praxis dominiert bei Insolvenzkäufen der Asset Deal, weil der Insolvenzverwalter die Masse zugunsten der Gläubiger verwerten will und ein Share Deal Käufern zu viel unkontrollierbares Risiko aufbürdet. Der Insolvenzverwalter ist dabei keine neutrale Partei: Er handelt im Interesse der Gläubiger und hat gesetzliche Pflichten. Wer glaubt, ein schwaches Gegenangebot durchzudrücken, unterschätzt dessen Verhandlungsspielraum und seine Erfahrung.

Typische Kaufanlässe und Preiserwartungen

Ein Maschinenbaubetrieb mit 40 Mitarbeitern, zwölf Jahren Kundenstamm und einem Jahresumsatz von vier Millionen Euro kann im Insolvenzverfahren für 300.000 bis 600.000 Euro den Eigentümer wechseln, wenn der Markt eng ist und die Branche gerade unter Druck steht. Theoretisch. In der Realität sorgen Bieterverfahren, strategische Interessenten aus der Branche und die Standortfrage dafür, dass der Preis oft deutlich anzieht.

Interessant sind Insolvenzkäufe besonders in drei Situationen: wenn ein Wettbewerber insolvent wird und man dessen Marktanteile sichern will, wenn man schnell in einen neuen Markt einsteigen möchte ohne jahrelangen Aufbau, oder wenn man gezielt nach unterbewerteten Produktionskapazitäten sucht. In allen drei Fällen gilt: Die Zeitspanne zwischen Insolvenzantrag und Verkaufsentscheidung ist kurz. Wer nicht vorbereitet ist, kommt zu spät.

Due Diligence unter Zeitdruck

Das größte Problem beim Kauf aus der Insolvenz ist nicht der Preis, sondern die begrenzte Informationslage. Ein Insolvenzverwalter gibt in der Regel keinen Zugang zu vollständiger Buchhaltung der letzten fünf Jahre, keine Garantien für Kundenforderungen und keine Gewährleistung für den Zustand der Maschinen. Das Prinzip lautet: gekauft wie gesehen. Wer sich für Geburt, die letzten Wochen und das Wochenbett interessiert, findet im Geburts-ratgeber eine verständliche Einordnung.

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Wer sich für den Schritt interessiert, eine insolvente Firma zu kaufen, sollte frühzeitig erfahrene Berater einbinden, die sowohl das Insolvenzrecht kennen als auch operative Unternehmensführung. Eine technische Prüfung der Anlagen, eine Analyse offener Forderungen und ein Gespräch mit den verbliebenen Schlüsselmitarbeitern sind Mindestvoraussetzungen, bevor man ein Angebot abgibt.

Typische blinde Flecken bei der Due Diligence in Insolvenzsituationen:

  • Offene Umweltauflagen oder Altlasten auf dem Betriebsgelände
  • Laufende Gewährleistungsansprüche von Kunden gegen das Unternehmen
  • Betriebliche Altersversorgungszusagen gegenüber Mitarbeitern
  • Verträge mit Sonderkündigungsrecht bei Eigentümerwechsel
  • Steuerliche Außenprüfungen, die noch nicht abgeschlossen sind

Mitarbeiter und Betriebsübergang: Was § 613a BGB bedeutet

Wer einen Betrieb oder Betriebsteil im Rahmen eines Insolvenzverfahrens erwirbt, muss wissen, dass § 613a BGB auch in der Insolvenz gilt, allerdings mit Einschränkungen. Beim Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse der betroffenen Mitarbeiter automatisch auf den Erwerber über. Das klingt nach einem Vorteil, weil man erfahrenes Personal übernimmt. Es kann aber auch bedeuten, dass man Mitarbeiter mit hohem Kündigungsschutz, langen Betriebszugehörigkeiten und entsprechenden Abfindungsansprüchen übernimmt.

In der Insolvenz dürfen Mitarbeiter mit einer verkürzten Kündigungsfrist von drei Monaten entlassen werden, unabhängig von vertraglichen Regelungen. Dieses Instrument nutzen Insolvenzverwalter, um die Masse zu bereinigen. Für Käufer bedeutet das: Man kann in Verhandlungen mit dem Verwalter festlegen, welche Mitarbeiter übernommen werden. Ein transparenter Prozess schützt hier vor späteren Klagen wegen Sozialauswahl.

Finanzierung: Wer gibt Geld für ein Insolvenzunternehmen?

Hausbanken tun sich schwer mit der Finanzierung von Insolvenzkäufen. Keine gesicherte Bilanz, kein testierter Jahresabschluss, keine klassische Kredithistorie des Kaufobjekts. Wer auf einen Bankkredit hofft, braucht entweder erhebliche eigene Sicherheiten oder einen langen Atem in der Kommunikation mit der Bank.

Realistischere Optionen in der Praxis:

  • Eigenkapital: Gerade bei kleineren Käufen unter einer Million Euro oft der direkteste Weg
  • Private Equity oder Family Offices: Bei mittleren Unternehmen mit klarem Restrukturierungsplan durchaus interessiert
  • KfW-Programme: Bestimmte Förderprogramme für Unternehmensnachfolge und Restrukturierung greifen auch in Insolvenzsituationen
  • Vendor Loan: In seltenen Fällen stundet der Insolvenzverwalter einen Teil des Kaufpreises, wenn die Masse es erlaubt

Restrukturierung nach dem Kauf: Der eigentliche Kraftakt

Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, die Schlüssel sind übergeben. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Viele Käufer unterschätzen, wie viel Zeit und Kapital die erste Phase nach der Übernahme verschlingt. Lieferanten müssen neu überzeugt werden, denn der Ruf des Vorgängers hängt oft noch in der Luft. Kunden testen, ob die neue Führung belastbar ist. Banken warten ab.

Erfahrene Käufer gehen mit einem 100-Tage-Plan in die Übernahme. Dieser Plan definiert konkrete Sofortmaßnahmen, zum Beispiel die Neuverhandlung der fünf wichtigsten Lieferantenverträge innerhalb von 30 Tagen, die Einführung eines wöchentlichen Liquiditätsreportings und persönliche Gespräche mit den zehn umsatzstärksten Kunden in den ersten zwei Wochen. Wer das nicht strukturiert angeht, verliert wertvolle Monate in denen das Unternehmen bereits wieder in die falsche Richtung driften kann.

Insolvente Firmen kaufen ist kein Schnäppchenjagen. Es ist unternehmerisches Handwerk unter schwierigen Bedingungen, mit komprimierter Entscheidungszeit, begrenzten Informationen und operativem Druck von Tag eins an. Wer das akzeptiert und professionell vorbereitet ist, findet hier tatsächlich Gelegenheiten, die der normale Unternehmensmarkt so nicht bietet.

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