Der Notartermin gilt vielen Käufern als Ziellinie. Tatsächlich ist er eher der Punkt, an dem sich zeigt, wie gut die Wochen davor genutzt wurden. Wer unvorbereitet beim Notar sitzt, riskiert entweder eine Verzögerung oder unterschreibt einen Vertrag, den er nicht vollständig durchdacht hat. Gerade in einem Markt wie Konstanz, wo Angebote selten lange verfügbar sind und der Preisdruck hoch bleibt, verführt die Knappheit dazu, Schritte zu überspringen.
Was der Konstanzer Markt 2026 von Käufern verlangt
Konstanz gehört nach wie vor zu den teuersten Immobilienmärkten in Baden-Württemberg. Der mittlere Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen liegt 2026 je nach Lage und Baujahr zwischen 5.400 und 7.800 Euro. Einfamilienhäuser in gefragten Lagen wie Litzelstetten, Dingelsdorf oder dem Bereich Paradies werden selten unter 800.000 Euro gehandelt. Die Nachfrage kommt sowohl aus der Region selbst als auch aus der Schweiz, wo die Kaufpreisrelationen trotz starkem Franken noch ungünstiger sind.
Für Käufer bedeutet das: Entscheidungen müssen schnell fallen, die Vorbereitung muss aber trotzdem sitzen. Wer einen Makler oder Privatverkäufer um eine Bedenkzeit von zwei Wochen bittet, riskiert, dass das Objekt anderweitig verkauft wird. Wer dagegen ohne Finanzierungszusage und ohne geprüfte Unterlagen einen Termin beim Notar vereinbart, läuft in andere Probleme.
Finanzierung: Mehr als eine Bankzusage
Eine Finanzierungszusage der Hausbank reicht als Vorbereitung nicht aus. Entscheidend ist, dass die Zusage auf die konkrete Immobilie bezogen ist und nicht nur auf eine Kaufpreissumme in einer bestimmten Höhe. Banken verlangen für die endgültige Kreditentscheidung regelmäßig aktuelle Unterlagen: Grundbuchauszug, Flurkarte, Energieausweis, bei Eigentumswohnungen zusätzlich die Teilungserklärung und die letzten drei Protokolle der Eigentümerversammlung.
Wer diese Unterlagen erst beim Notar zum ersten Mal sieht, hat ein Problem. Idealerweise liegen sie bereits bei der Bank vor, bevor der Kaufvertragsentwurf angefordert wird. Die Bank braucht in der Regel fünf bis zehn Werktage für die Prüfung. Wer das nicht einplant, verlängert den Prozess unnötig oder setzt sich unter Druck, den Vertrag zu unterschreiben, bevor die Finanzierung steht.
Nebenkosten realistisch kalkulieren
In Baden-Württemberg beträgt die Grunderwerbsteuer 5,0 Prozent des Kaufpreises. Hinzu kommen Notarkosten von rund 1,5 Prozent und Grundbuchkosten von etwa 0,5 Prozent. Wer über einen Makler kauft, zahlt in der Regel eine Courtage von 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer, die seit der Reform von 2020 bei privaten Käufen hälftig geteilt wird. Bei einem Kaufpreis von 650.000 Euro summieren sich allein diese Positionen auf über 60.000 Euro. Wer das nicht als Eigenkapital eingeplant hat, wird von der Bank keine vollständige Finanzierung bekommen.
Den Kaufvertragsentwurf richtig lesen
Der Notar ist verpflichtet, den Kaufvertragsentwurf mindestens zwei Wochen vor dem Beurkundungstermin zu übermitteln. Diese Frist wird in der Praxis nicht immer eingehalten, Käufer sollten aber explizit darauf bestehen. Ein Kaufvertrag für eine Eigentumswohnung umfasst schnell 20 bis 30 Seiten. Wer ihn erst am Abend vor dem Termin liest, übersieht Klauseln, die später teuer werden können.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen folgende Punkte: die genaue Beschreibung des Kaufgegenstands inklusive Stellplatz und Kellerabteil, die Regelung zur Übergabe und zum Besitzübergang, Gewährleistungsausschlüsse bei Bestandsimmobilien sowie die Fälligkeitsvoraussetzungen für den Kaufpreis. Letztere sind wichtig: Der Kaufpreis wird fällig, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, etwa die Eintragung einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch und die Löschung bestehender Belastungen. Wer das nicht versteht, zahlt möglicherweise zu früh oder zu spät.
Grundbuch und Lasten prüfen
Ein aktueller Grundbuchauszug sollte vor dem Notartermin vorliegen und verstanden worden sein. In Abteilung II des Grundbuchs stehen Dienstbarkeiten, Wegerechte oder Vorkaufsrechte. In Abteilung III stehen Grundschulden und Hypotheken des Verkäufers. Ob und wie diese gelöscht werden, regelt der Kaufvertrag. Die Praxis zeigt, dass Käufer diese Passage oft überfliegen und erst nachträglich verstehen, was sie unterschrieben haben.
Wer im Raum Konstanz nach einer geeigneten Immobilie sucht und sich gleichzeitig professionell begleiten lassen möchte, findet bei spezialisierten Anbietern wie Immobilien Konstanz ortskundige Unterstützung, die gerade bei der Unterlagenprüfung und der Einschätzung des Marktwerts hilfreich sein kann. Ein guter Makler klärt diese Fragen vor dem Notartermin, nicht danach.
Checkliste für die letzten Tage vor dem Termin
- Kaufvertragsentwurf vollständig gelesen und offene Fragen schriftlich notiert
- Finanzierungszusage der Bank liegt objektbezogen vor
- Eigenkapital für Nebenkosten ist liquide verfügbar
- Grundbuchauszug aktuell (nicht älter als sechs Wochen) und geprüft
- Teilungserklärung und WEG-Protokolle bei Eigentumswohnungen gelesen
- Energieausweis liegt vor und wurde zur Kenntnis genommen
- Übergabetermin mit dem Verkäufer abgestimmt
- Steuer-Identifikationsnummer zur Hand (wird für die Beurkundung benötigt)
Was beim Notartermin selbst gilt
Der Notar liest den Vertrag vollständig vor. Das dauert bei komplexen Objekten eine Stunde oder länger. Käufer haben das Recht, jederzeit nachzufragen. Wer an einer Stelle unsicher ist, sollte das offen ansprechen, auch wenn das die Sitzung verlängert. Eine Änderung nach der Beurkundung ist deutlich aufwendiger und kostet erneut Notargebühren.
Praktisch wichtig: Beide Parteien müssen sich ausweisen. Wer einen Dolmetscher benötigt, muss das vorab ankündigen. Vollmachten sind möglich, müssen aber notariell beglaubigt sein. Wer sich durch eine andere Person vertreten lässt, sollte die Vollmacht so früh wie möglich ausstellen, damit der Notar sie vorab prüfen kann.
Ein Immobilienkauf in Konstanz ist 2026 keine Transaktion, die nebenbei erledigt wird. Der Markt verzeiht wenig Vorbereitung, und der Kaufvertrag ist ein Dokument, das für Jahrzehnte gilt. Wer die Wochen vor dem Notartermin strukturiert nutzt, schützt sich vor den häufigsten und teuersten Fehlern.











