Von Redaktion BDO-Online · veröffentlicht am 04.11.2026
Wer in Gießen ein Haus oder eine Eigentumswohnung verkaufen möchte, steht meist vor denselben Fragen: Welcher Preis ist realistisch? Welche Unterlagen braucht man? Und lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Makler, oder kommt man allein schneller ans Ziel? Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Punkte für Eigentümer in Gießen und im Umland ein.
Der Gießener Markt: Universitätsstadt mit eigenem Rhythmus
Gießen ist mit rund 90.000 Einwohnern das Oberzentrum Mittelhessens. Prägend sind die Justus-Liebig-Universität und die Technische Hochschule Mittelhessen, an denen zusammen eine sehr große Zahl von Studierenden eingeschrieben ist. Das wirkt sich direkt auf den Immobilienmarkt aus: Kleine Wohnungen in Innenstadtnähe sind als Kapitalanlage gefragt, während Familien eher in Stadtteilen wie Wieseck, Kleinlinden oder Allendorf und in Umlandgemeinden wie Wettenberg, Linden, Pohlheim oder Heuchelheim suchen.
Für Verkäufer bedeutet das: Es gibt nicht „den“ Gießener Preis. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung nahe dem Uni-Campus spricht eine völlig andere Käufergruppe an als ein Einfamilienhaus mit Garten am Stadtrand. Wer die passende Zielgruppe kennt, kann Exposé, Preis und Besichtigungen darauf ausrichten.
Schritt für Schritt zum Verkauf
1. Unterlagen zusammenstellen
Bevor überhaupt ein Inserat erscheint, sollten die wichtigsten Dokumente vorliegen. Dazu gehören:
- aktueller Grundbuchauszug
- Flurkarte und Lageplan
- Grundrisse, Wohnflächenberechnung und Baubeschreibung
- Energieausweis (beim Verkauf gesetzlich vorgeschrieben und spätestens bei der Besichtigung vorzulegen)
- bei Eigentumswohnungen: Teilungserklärung, Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen, Wirtschaftsplan und Stand der Erhaltungsrücklage
Fehlende Unterlagen sind einer der häufigsten Gründe, warum sich Verkäufe in die Länge ziehen. Kaufinteressenten und finanzierende Banken fragen sie ohnehin an.
2. Den Wert realistisch einschätzen
Ein zu hoher Angebotspreis führt oft dazu, dass ein Objekt monatelang online steht und dann mit Preisnachlass verkauft wird. Orientierung geben Bodenrichtwerte, die in Hessen über das Bodenrichtwertinformationssystem BORIS einsehbar sind, sowie Vergleichsobjekte in derselben Lage. Bei Häusern spielen Baujahr, energetischer Zustand und die Ausstattung eine große Rolle. Eine fundierte Bewertung berücksichtigt alle diese Faktoren zusammen.
3. Vermarktung und Besichtigungen
Gute Fotos, ein vollständiger Grundriss und eine ehrliche Beschreibung sparen später Zeit. Bei Besichtigungen lohnt es sich, Kaufinteressenten vorab nach ihrer Finanzierung zu fragen. So bleibt der Kreis derer, die wirklich kaufen können, überschaubar.
Wann ein Makler aus der Region sinnvoll ist
Ein Verkauf in Eigenregie ist möglich, kostet aber Zeit: Anfragen beantworten, Termine koordinieren, Bonität prüfen, Kaufvertragsentwurf mit dem Notar abstimmen. Gerade wer berufstätig ist, nicht vor Ort wohnt oder eine geerbte Immobilie verkauft, gibt diese Aufgaben häufig ab. Ein Immobilienmakler Gießen kennt die Preisunterschiede zwischen den Stadtteilen, hat oft bereits vorgemerkte Suchkunden und kann einschätzen, welche Käufergruppe für ein bestimmtes Objekt infrage kommt.
Bei der Auswahl helfen einige einfache Fragen:
- Wie viele vergleichbare Objekte hat das Büro zuletzt in Gießen oder im Landkreis vermittelt?
- Wie wird der Angebotspreis begründet, und auf welche Daten stützt sich die Einschätzung?
- Welche Leistungen sind enthalten, etwa Exposé, Fotos, Grundrissaufbereitung, Besichtigungen und Begleitung zum Notartermin?
- Wie lange läuft der Maklervertrag, und wie kann er gekündigt werden?
Was Verkäufer zu den Kosten wissen sollten
Seit Dezember 2020 gilt beim Verkauf von Wohnungen und Einfamilienhäusern an private Käufer eine bundesweite Regel: Wird der Makler von beiden Seiten beauftragt, teilen sich Verkäufer und Käufer die Provision zu gleichen Teilen. Beauftragt nur der Verkäufer den Makler, darf er höchstens die Hälfte der Provision an den Käufer weitergeben, und das erst, nachdem er selbst gezahlt hat. Die Einzelheiten stehen in § 656c BGB.
Für Käufer kommen in Hessen außerdem 6 Prozent Grunderwerbsteuer sowie Notar- und Grundbuchkosten hinzu. Wer das als Verkäufer weiß, kann Preisverhandlungen besser einordnen: Die Gesamtbelastung für Käufer liegt deutlich über dem reinen Kaufpreis.
Fazit für Eigentümer in Gießen
Ein erfolgreicher Verkauf beginnt mit vollständigen Unterlagen und einer realistischen Preiseinschätzung. Die Lage innerhalb der Stadt und die passende Käufergruppe entscheiden in Gießen stärker als in vielen anderen Städten über Preis und Vermarktungsdauer. Wer sich vorab gut informiert und die Rollen klar verteilt, verkauft in der Regel schneller und mit weniger Nachverhandlungen.










