Der Elektriker-Beruf gehört seit Jahren zu den Ausbildungsberufen mit den meisten offenen Stellen. Laut Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) fehlten allein 2024 bundesweit rund 70.000 Fachkräfte im Elektrohandwerk. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Ausbildung: Photovoltaik, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Smart-Home-Systeme sind längst Pflichtthemen in Berufsschule und Betrieb. Wer heute eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beginnt, stößt schnell auf Lernfelder, die vor zehn Jahren noch gar nicht existierten.
Warum gerade 2026 ein entscheidender Jahrgang ist
Die Bundesregierung hat die Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energien als politische Priorität festgeschrieben. Das klingt abstrakt, hat aber sehr konkrete Folgen für Auszubildende: Betriebe suchen Nachwuchs, der nicht nur Kabel legen kann, sondern Wechselrichter programmiert, Zählerkonzepte versteht und Messungen nach DIN VDE 0100 dokumentiert. Die Lehrpläne haben sich angepasst, die Prüfungsanforderungen der Handwerkskammern ebenfalls. Azubis, die 2026 ihre Gesellenprüfung ablegen, werden nach deutlich anspruchsvolleren Kriterien bewertet als noch die Jahrgänge vor fünf Jahren.
Hinzu kommt: Viele Ausbildungsbetriebe sind kleine und mittlere Handwerksbetriebe mit fünf bis zwanzig Mitarbeitern. Die Kapazität für strukturierte betriebsinterne Förderung ist dort oft begrenzt. Azubis lernen viel auf der Baustelle, aber der systematische Umgang mit Lernstoff bleibt häufig dem Einzelnen überlassen.
Quereinsteiger unter Druck: Schnell fit, aber wie?
Neben klassischen Azubis drängen zunehmend Quereinsteiger ins Elektrohandwerk. Menschen, die vorher in der Industrie, im Büro oder in anderen Handwerksberufen gearbeitet haben, entscheiden sich für eine Umschulung oder nutzen das Angebot der verkürzten Ausbildung. Die Bundesagentur für Arbeit fördert solche Umschulungen unter bestimmten Voraussetzungen mit Bildungsgutscheinen, die Kurskosten bis zu 100 Prozent abdecken können.
Das Problem: Wer mit 30 oder 35 Jahren die Berufsschule besucht, kämpft oft mit einer Lücke. Grundlagen der Elektrotechnik wie Ohmsches Gesetz, Wechselstromtechnik oder der Umgang mit Schaltplänen wurden in der ursprünglichen Schulzeit nicht vertieft. Das Lerntempo in der Berufsschule setzt aber genau diese Grundlagen voraus. Gezieltes Nacharbeiten und strukturierte Unterstützung, etwa durch spezialisierte Nachhilfe Elektrotechnik, kann hier den Unterschied machen zwischen einem erfolgreichen Abschluss und einem Abbruch im zweiten Ausbildungsjahr.
Welche Förderinstrumente es wirklich gibt
Die Förderlandschaft ist umfangreicher, als viele Auszubildende und ihre Betriebe wissen. Ein strukturierter Überblick:
- Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Azubis, die nicht bei den Eltern wohnen können, erhalten monatlich bis zu 262 Euro Unterstützung vom Staat. Voraussetzung ist eine anerkannte Berufsausbildung und der Nachweis, dass der elterliche Wohnsitz zu weit vom Ausbildungsort entfernt liegt.
- Assistierte Ausbildung (AsA): Dieses Programm der Bundesagentur für Arbeit richtet sich an Azubis mit Lernschwierigkeiten oder sozialen Problemen. Sozialpädagogische Begleitung und fachliche Stützung werden dabei kombiniert.
- Bildungsprämie: Arbeitnehmer und Auszubildende ab 25 Jahren mit einem Jahreseinkommen unter 20.000 Euro können einen Prämiengutschein beantragen, der 50 Prozent der Weiterbildungskosten deckt, maximal 500 Euro.
- Förderung durch die Kammern: Viele Handwerkskammern bieten eigene Prüfungsvorbereitungskurse an, teils subventioniert. Die Kosten variieren stark: In Baden-Württemberg etwa liegen Kurse zur Vorbereitung auf die Gesellenprüfung zwischen 150 und 400 Euro.
- Betriebliche Förderung nach BBiG: Ausbildungsbetriebe sind nach dem Berufsbildungsgesetz verpflichtet, Azubis die für die Ausbildung notwendigen Mittel bereitzustellen. Was das konkret umfasst, wird oft unterschätzt und selten ausgeschöpft.
Prüfungsstruktur verstehen, Schwachstellen gezielt angehen
Die Gesellenprüfung im Elektrohandwerk gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 findet in der Regel nach dem zweiten Ausbildungsjahr statt und prüft praktische Grundfertigkeiten sowie theoretische Grundlagen. Teil 2 zum Ende der Ausbildung umfasst einen komplexen Kundenauftrag, eine schriftliche Prüfung in mehreren Fächern und ein Fachgespräch. Der schriftliche Teil ist für viele die größte Hürde: Elektrotechnische Systeme, Kommunikations- und Sicherheitstechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde sind Pflichtbereiche.
Besonders die Aufgaben zu Wechselstromkreisen, Leistungsberechnungen und Schutzmaßnahmen nach VDE zeigen in Auswertungen der Kammern regelmäßig die höchsten Fehlerquoten. Wer diese Bereiche früh identifiziert und systematisch bearbeitet, verbessert seine Chancen erheblich. Einzelne Azubis berichten, dass sie durch gezieltes Üben über drei Monate vor der Prüfung ihre Punktzahl in Probeklausuren um 15 bis 20 Prozentpunkte steigern konnten.
Was Betriebe tun können und sollten
Ausbilder und Betriebsinhaber unterschätzen häufig ihren eigenen Handlungsspielraum. Wer einen Azubi durch gezielte externe Fördermaßnahmen schickt, investiert nicht nur in eine Person, sondern sichert die eigene Fachkräftebasis. Die Kosten für einen Prüfungsvorbereitungskurs oder eine Nachhilfe sind im Vergleich zu den Kosten eines Ausbildungsabbruchs, der im Schnitt mehrere Tausend Euro Aufwand bedeutet, minimal.
Konkret empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Halbjährliche Standortgespräche mit dem Azubi, in denen Lernrückstände offen angesprochen werden
- Frühzeitige Information über verfügbare Förderprogramme, spätestens zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres
- Prüfungsvorbereitungskurse als Freistellungszeit anerkennen und im Ausbildungsplan verankern
- Kontakt zur zuständigen Handwerkskammer aufnehmen, die oft individuelle Beratung anbietet
Eigeninitiative bleibt entscheidend
Förderprogramme sind Werkzeuge, keine Garantien. Azubis, die aktiv auf Betrieb und Berufsschullehrer zugehen, frühzeitig Schwächen benennen und bereit sind, auch außerhalb der regulären Unterrichtszeiten zu arbeiten, haben die besten Voraussetzungen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Ein erheblicher Teil der Ausbildungsabbrüche im Elektrohandwerk scheitert nicht am fehlenden Willen, sondern an fehlender Orientierung in der ersten Phase der Ausbildung.
Der Jahrgang 2026 trifft auf einen Arbeitsmarkt, der ausgebildete Elektriker dringend braucht. Wer die vorhandenen Förderangebote kennt, nutzt und bei Bedarf gezielt externe Unterstützung sucht, hat gute Chancen, nicht nur die Prüfung zu bestehen, sondern danach direkt in ein stabiles Beschäftigungsverhältnis zu wechseln. Die Nachfrage nach qualifiziertem Elektrohandwerk wird in den kommenden Jahren weiter steigen, allein der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge soll bis 2030 bundesweit mehrere Milliarden Euro umfassen. Der Einstieg lohnt sich, wenn er fundiert vorbereitet wird.



