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Stromversorgung in der Region: Was Verbraucher wissen sollten

Stromversorgung in der Region: Was Verbraucher wissen sollten

Stromversorgung in der Region: Was Verbraucher wissen sollten

in Ratgeber
Lesedauer: 4 min.

Wer in Deutschland einen Stromanbieter wechselt, stößt früher oder später auf einen Begriff, der vielen kaum geläufig ist: den Grundversorger. Dabei spielt dieser eine zentrale Rolle im deutschen Energiemarkt, besonders für Haushalte, die sich nie aktiv um einen Tarif gekümmert haben. Bundesweit befinden sich schätzungsweise mehrere Millionen Haushalte in der sogenannten Grundversorgung, oft ohne es zu wissen.

Was die Grundversorgung bedeutet

Der Begriff klingt bürokratisch, ist aber gesetzlich klar geregelt. Nach dem Energiewirtschaftsgesetz sind Energieversorgungsunternehmen verpflichtet, Haushaltskunden in ihrem Netzgebiet zu einem veröffentlichten Tarif zu versorgen, sofern kein anderer Vertrag besteht. Das ist der Grundversorgungstarif. Er greift automatisch, etwa wenn jemand in eine neue Wohnung einzieht und keinen eigenen Vertrag abschließt, oder wenn ein Anbieter insolvent wird und Kunden kurzfristig ohne Vertrag dastehen.

Das klingt praktisch, hat aber einen Haken: Grundversorgungstarife gehören in der Regel zu den teuersten im Markt. Der Komfort des automatischen Schutzes hat seinen Preis. Laut Angaben des Umweltbundesamts lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis in den vergangenen Jahren deutlich über dem EU-Schnitt, wobei regionale Unterschiede erheblich sind.

Warum Regionen sich so stark unterscheiden

Deutschland ist kein einheitlicher Energiemarkt. Die Verteilnetze gehören verschiedenen Betreibern, die je nach Region unterschiedliche Netzentgelte erheben. Diese Netzentgelte machen je nach Tarif zwischen 20 und 30 Prozent des Strompreises aus. Hinzu kommen kommunale Konzessionsabgaben, die Gemeinden für die Nutzung öffentlicher Wege durch Leitungen verlangen.

Ein Haushalt in Bayern zahlt deshalb strukturell andere Netzkosten als einer in Brandenburg, selbst wenn der eigentliche Arbeitspreis des Anbieters identisch wäre. In städtischen Verdichtungsräumen sind die Netzkosten pro Kilowattstunde oft niedriger als in dünn besiedelten Flächenländern, weil die Fixkosten der Infrastruktur auf mehr Abnehmer verteilt werden. Diese Grundstruktur erklärt, warum überregionale Vergleiche nur begrenzt aussagekräftig sind.

Den richtigen Grundversorger im eigenen Gebiet finden

Wer herausfinden will, wer in seiner Gemeinde der Grundversorger ist und was alternative Tarife kosten, muss zunächst das eigene Netzgebiet kennen. Das ist nicht immer offensichtlich, da Netzgebiete nicht mit Gemeinde- oder Stadtgrenzen übereinstimmen müssen. Einen ersten Überblick verschafft ein gezielter Blick auf die eigene Jahresabrechnung, auf der der Netzbetreiber in der Regel ausgewiesen wird. Alternativ lassen sich über Tools wie Grundversorger vor Ort finden die jeweils zuständigen Versorger nach Region recherchieren.

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Sobald klar ist, wer der Grundversorger ist, lohnt der direkte Vergleich mit Alternativangeboten. Dabei gilt: Ein günstigerer Tarif beim selben Versorger ist oft möglich, ohne das Unternehmen wechseln zu müssen. Viele Regionalversorger bieten neben dem gesetzlichen Grundversorgungstarif auch günstigere Sondertarife an, die für Bestandskunden kaum kommuniziert werden.

Stadtwerke, Regionalversorger, Großkonzerne

Der regionale Strommarkt ist geprägt von einer Mischung aus kommunalen Stadtwerken, regionalen Energieunternehmen und den bundesweit aktiven Großkonzernen. Stadtwerke sind häufig im Besitz der jeweiligen Gemeinde oder Stadt und wirtschaften mit einem lokalen Versorgungsauftrag. Ihre Preispolitik ist oft weniger aggressiv als die großer überregionaler Anbieter, dafür aber auch weniger flexibel.

Regionalversorger wie EWE im Nordwesten oder Bayernwerk im Süden decken größere Gebiete ab und sind häufig aus historischen Verbundstrukturen entstanden. Die großen Vier, also E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall beziehungsweise deren Nachfolgegesellschaften, sind zwar bundesweit tätig, stellen aber lokal oft ebenfalls den Grundversorger, weil sie die Netze betreiben oder betrieben haben.

Kommunale Versorger im Vorteil bei Kundennähe

Stadtwerke punkten häufig bei der Erreichbarkeit. Ein lokales Servicecenter, persönliche Ansprechpartner, schnelle Reaktion bei Störungen: Das sind Argumente, die besonders ältere Verbraucher oder solche mit komplexerem Verbrauchsprofil schätzen. Rein preislich sind sie jedoch selten die günstigste Option.

Was sich beim Wechsel wirklich ändert

Ein weit verbreitetes Missverständnis: Wer den Stromanbieter wechselt, bekommt physisch anderen Strom. Das stimmt nicht. Der Strom kommt weiterhin aus demselben Netz, betrieben vom gleichen Netzbetreiber. Was sich ändert, ist das Vertragsverhältnis und damit der Preis sowie eventuelle Zusatzleistungen wie Ökostromzertifizierung.

Der Wechselprozess selbst ist standardisiert und in der Regel reibungslos. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung beim alten, der Netzbetreiber wird informiert, und der Zähler wird neu zugeordnet. Physisch passiert nichts. Die Abwicklung dauert in der Regel vier bis sechs Wochen.

Regionale Besonderheiten beim Thema Erneuerbare

In einigen Regionen spielt die Nähe zu Erneuerbaren-Erzeugungsanlagen eine zunehmende Rolle. Küstenregionen in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen haben zum Teil erhebliche Windkraftkapazitäten direkt im Netzgebiet, was lokal die Netzlast und damit mittelbar die Kosten beeinflusst. Ähnliches gilt für bayerische Regionen mit hohem Photovoltaikanteil.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Einspeisung dezentraler Anlagen bundesweit geregelt, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass Netzkosten durch notwendige Anpassungen der Infrastruktur in bestimmten Regionen besonders hoch sind. Das ist ein struktureller Faktor, der im regionalen Preisvergleich häufig unterschätzt wird.

Praktisches Fazit für den Alltag

Wer seit Jahren in der Grundversorgung steckt, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel. Ein kurzer Blick auf den eigenen Tarif, ein Vergleich mit Alternativangeboten im gleichen Netzgebiet und gegebenenfalls ein Wechsel können bei einem Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 3.500 Kilowattstunden leicht 150 bis 300 Euro pro Jahr einsparen, ohne dass sich an der tatsächlichen Stromversorgung irgendetwas ändert.

Regionale Unterschiede sind real, aber kein Schicksal. Wer weiß, wie der lokale Markt aufgebaut ist, kann gezielt handeln statt einfach zu zahlen, was automatisch berechnet wird.

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