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Altersvorsorge für Selbstständige: Was wirklich zählt

in Ratgeber
Lesedauer: 4 min.

Wer als Angestellter arbeitet, zahlt automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein, bekommt oft einen Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge und muss sich um die Grundstruktur seiner Absicherung kaum aktiv kümmern. Für Selbstständige gilt das nicht. Sie stehen vor der Aufgabe, dieses System vollständig in Eigenregie aufzubauen, ohne Standardlösungen, ohne Pflichtrahmen, und in vielen Fällen ohne ausreichendes Bewusstsein dafür, wie groß die Versorgungslücke im Alter tatsächlich werden kann.

Das Rentenproblem ist konkreter als gedacht

Ein Selbstständiger, der über 30 Jahre lang monatlich 2.500 Euro netto verdient und keine gezielte Vorsorge betreibt, hat im Rentenalter schlicht nichts. Keine gesetzliche Rente, keine betriebliche Rente, kein Anspruch aus Pflichtbeiträgen. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt nur dann, wenn freiwillig oder auf Antrag Beiträge eingezahlt wurden. Der aktuelle Regelbeitrag für freiwillig Versicherte liegt 2024 bei 1.311,30 Euro pro Monat, der Mindestbeitrag bei 100,07 Euro. Wer über Jahrzehnte nur den Mindestbeitrag zahlt, darf sich auf eine monatliche Rente von deutlich unter 200 Euro einstellen.

Dieses Szenario klingt abstrakt, ist aber gelebte Realität. Laut Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales waren 2022 rund 4,1 Millionen Menschen in Deutschland selbstständig tätig. Ein erheblicher Anteil davon ist im Bereich der Altersvorsorge strukturell unterversorgt, vor allem Soloselbstständige und Freelancer in kreativen oder digitalen Berufen.

Welche Vorsorgemodelle stehen zur Verfügung

Selbstständige haben grundsätzlich mehrere Wege, für das Alter vorzusorgen. Keiner davon ist per se der richtige, die Wahl hängt von Einkommenshöhe, Steuersituation, Risikobereitschaft und Planungshorizont ab.

  • Rürup-Rente (Basisrente): Speziell für Selbstständige konzipiert, steuerlich absetzbar bis zu 27.566 Euro pro Jahr (2024, Einzelperson). Die Auszahlung erfolgt als lebenslange Rente ab 62, das Kapital ist nicht vererbbar und nicht beleihbar. Für Gutverdiener mit hohem Steuersatz besonders attraktiv.
  • Private Rentenversicherung: Flexibler, aber steuerlich weniger begünstigt. Kapital kann auch als Einmalbetrag ausgezahlt werden. Geeignet, wenn Flexibilität wichtiger ist als maximale Steuerersparnis.
  • ETF-Sparplan: Kein steuerlicher Sofortbonus, dafür volle Verfügbarkeit und niedrige Kosten. Ein breit gestreuter Welt-ETF wie der MSCI World hat historisch rund 7 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, nach Inflation deutlich weniger, aber immer noch substanziell.
  • Freiwillige gesetzliche Rentenversicherung: Sinnvoll, wenn Kontinuität und Planbarkeit wichtig sind. Kombinierbar mit anderen Modellen.
  • Immobilien: Mieteinnahmen oder mietfreies Wohnen im Alter können die Rentenlücke schließen, setzen aber erhebliches Startkapital voraus.

Das Thema ist vielschichtig, und pauschale Empfehlungen helfen selten weiter. Wer sich einen fundierten Überblick verschaffen möchte, findet bei Portalen, die sich auf Altersvorsorge für Selbstständige spezialisiert haben, strukturierte Vergleiche und Produktinformationen, die über den typischen Versicherungsberater-Pitch hinausgehen.

Steuern als integraler Bestandteil der Planung

Ein Aspekt, der bei der Vorsorgeplanung oft unterschätzt wird: die Steuerwirkung. Die Rürup-Rente erlaubt es, Beiträge als Sonderausgaben abzusetzen. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 80.000 Euro im Jahr und einem Grenzsteuersatz von rund 42 Prozent bedeutet ein Jahresbeitrag von 10.000 Euro in die Rürup-Rente eine reale Steuerersparnis von etwa 4.200 Euro. Das Kapital arbeitet also von Anfang an mit einem staatlichen Zuschuss durch die Steuerersparnis.

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Wer hingegen ausschließlich auf einen ETF-Sparplan setzt, zahlt seine Beiträge aus dem Nettoeinkommen. Die Rendite wird am Ende mit Abgeltungssteuer (25 Prozent plus Soli) besteuert, aber das Kapital bleibt vollständig verfügbar. Je nach persönlicher Situation kann das sinnvoller sein, es kommt auf die individuelle Steuerquote, den Anlagehorizont und den Kapitalbedarf an.

Krankenversicherung nicht vergessen

Altersvorsorge und Krankenversicherung hängen enger zusammen, als viele denken. Selbstständige zahlen ihre Krankenversicherung vollständig selbst, im Schnitt zwischen 350 und 900 Euro pro Monat, je nach Versicherung und Tarif. Das ist Geld, das nicht für die Altersvorsorge zur Verfügung steht.

Im Rentenalter kommt eine weitere Frage hinzu: Wer aus einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kommt und Renteneinkünfte bezieht, zahlt darauf wieder Beiträge. Rürup-Renten unterliegen in der Auszahlungsphase dem vollen Beitragssatz in der GKV, ETF-Erträge dagegen grundsätzlich nicht. Auch diese Stellschraube gehört in die Gesamtrechnung.

Wie viel sollte monatlich zurückgelegt werden

Eine grobe Daumenregel lautet: Wer mit 35 Jahren beginnt und im Alter über 1.500 Euro monatliche Privatrente verfügen möchte, muss bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent pro Jahr rund 700 bis 900 Euro monatlich investieren. Wer erst mit 45 anfängt, braucht für dasselbe Ziel schon gut das Doppelte.

Diese Zahlen zeigen, dass frühzeitiges Handeln kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit. Selbstständige, die in ihren 30ern gut verdienen, aber alles in das laufende Geschäft reinvestieren und die Vorsorge auf später verschieben, kaufen sich kurzfristig Spielraum auf Kosten ihrer eigenen Zukunft.

Ein einfaches Beispiel zur Orientierung

Startalter Monatlicher Sparbeitrag Kapital mit 67 (5% p.a.)
30 Jahre 500 Euro ca. 762.000 Euro
40 Jahre 500 Euro ca. 416.000 Euro
50 Jahre 500 Euro ca. 198.000 Euro

Fazit: Eigenverantwortung braucht Struktur

Selbstständigkeit bedeutet Freiheit, aber auch Verantwortung für Dinge, die Angestellte nie aktiv entscheiden müssen. Die Altersvorsorge gehört dazu. Wer sie ernst nimmt, braucht kein komplexes Finanzkonstrukt, aber einen klaren Plan: Wie viel kann ich monatlich zurücklegen? Welches Modell passt zu meiner Steuer- und Lebenssituation? Und wann fange ich an?

Die Antwort auf die letzte Frage ist fast immer dieselbe: jetzt.

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