Wer sich 2026 selbstständig macht, steht früh vor der Frage: selbst gebaut oder Agentur? Die Antwort hängt weniger vom persönlichen Geschmack ab als von konkreten Faktoren. Projektvolumen, Technikaffinität, Zeitbudget und die tatsächlichen Anforderungen an die Seite. Baukastensysteme haben in den letzten Jahren erheblich aufgeholt. Trotzdem sind sie nicht für jeden die richtige Wahl.
Was Baukastensysteme heute leisten
Anbieter wie Wix, Squarespace oder Jimdo sind nicht mehr das, was sie vor fünf Jahren waren. Wix etwa bietet seit 2024 eine KI-gestützte Sitegenerierung, die auf Basis weniger Eingaben eine strukturierte Startseite mit Sektionen, Farbschema und Beispieltexten ausspielt. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber deutlich besser als ein leeres Template.
Squarespace punktet bei Design-sensitiven Branchen. Fotografen, Innenarchitekten oder Berater, die Wert auf optische Konsistenz legen, finden dort ein engeres, aber hochwertigeres Designsystem. Jimdo ist günstiger und simpler, dafür auch eingeschränkter.
Alle drei ermöglichen SSL, mobile Ansicht, Formulare und einfache SEO-Einstellungen ohne Programmierkenntnisse. Für einen Einzelkämpfer, der eine fünfseitige Präsenzseite braucht, reicht das in den meisten Fällen vollständig aus.
Die Kostenfrage ehrlich beantwortet
Eine Agenturwebsite für Selbstständige kostet 2026 realistisch zwischen 2.500 und 8.000 Euro, je nach Umfang, CMS-Anbindung und Region. Dazu kommen laufende Wartungskosten, oft 50 bis 150 Euro im Monat, wenn man nicht selbst Hand anlegen will.
Ein Baukastensystem liegt bei 15 bis 35 Euro monatlich für einen brauchbaren Tarif mit eigener Domain und ohne Werbebanner des Anbieters. Über drei Jahre gerechnet ergibt das 540 bis 1.260 Euro. Der Unterschied ist erheblich, besonders für jemanden, der gerade gestartet ist und das Budget an anderer Stelle braucht.
Wichtig: Die Kostenersparnis setzt voraus, dass man die Seite selbst pflegt und keine umfangreichen Anpassungen braucht. Wer regelmäßig spezifische Layouts, Datenbankanbindungen oder komplexe Formularlösungen benötigt, wird beim Baukasten früher oder später an Grenzen stoßen und externe Hilfe hinzuziehen. Das hebt den Preisvorteil schnell auf.
Wann ein Baukasten konkret sinnvoll ist
Es gibt Selbstständigenprofile, für die ein Baukastensystem klar die bessere Wahl ist. Dazu gehören:
- Freiberufler mit überschaubarem Leistungsangebot, die hauptsächlich Kontakt, Portfolio und eine kurze Über-mich-Seite brauchen
- Gründer in der Anfangsphase, die erst testen wollen, ob ihre Positionierung trägt, bevor sie viel Geld in eine Website investieren
- Selbstständige, die Inhalte regelmäßig selbst aktualisieren wollen und keine technische Abhängigkeit von Dritten mögen
- Branchen mit standardisierten Erwartungen an die Website, etwa Coaching, Fotografie, lokale Dienstleistungen oder Beratung
Wer beispielsweise als Business-Coach arbeitet und monatlich zwei bis drei Anfragen über die Website generieren will, braucht keine Individuallösung. Eine sauber aufgebaute Seite mit Leistungsübersicht, Referenzen und Kontaktformular erfüllt diesen Zweck. Wer den Einstieg Schritt für Schritt nachvollziehen möchte, findet mit einer Anleitung zum Firmenwebsite mit Wix aufsetzen einen praxisnahen Ausgangspunkt.
Wo Baukastensysteme an ihre Grenzen stoßen
Es gibt Szenarien, in denen ein Baukasten keine sinnvolle Lösung ist. Wer eine E-Commerce-Funktion mit mehr als 200 Produkten, individuellem Checkout oder Anbindung an ein Warenwirtschaftssystem braucht, wird mit Wix-Shops oder vergleichbaren Lösungen auf Dauer frustriert sein. Das gilt auch für Buchungssysteme mit komplexer Logik, etwa für Dienstleister mit Ressourcenplanung, Mitarbeiterzuordnung oder mehrsprachigen Kundenportalen.
Ein weiteres Thema ist die Portabilität. Wer seine Seite auf einem Baukastensystem aufbaut, ist an den Anbieter gebunden. Ein Wechsel zu WordPress oder einem anderen System bedeutet in der Regel einen vollständigen Neuaufbau. Das ist kein Argument gegen den Einstieg über einen Baukasten, aber ein Argument dafür, diese Entscheidung bewusst zu treffen.
Auch bei technischer SEO gibt es Einschränkungen. Ladezeiten, Core Web Vitals und Crawling-Strukturen lassen sich auf selbst gehosteten Systemen präziser steuern. Wer in stark umkämpften Branchen auf organischen Traffic angewiesen ist und gezielt in SEO investiert, sollte das berücksichtigen.
Ein direkter Vergleich der gängigsten Anbieter
| Anbieter | Monatliche Kosten (Business-Tarif) | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Wix | ab 17 Euro | Flexibel, viele Apps, KI-Assistent | Kann unübersichtlich werden, Ladezeiten |
| Squarespace | ab 23 Euro | Hochwertiges Design, konsistentes System | Weniger Flexibilität, kleineres App-Angebot |
| Jimdo | ab 11 Euro | Günstig, einfach, schnell | Eingeschränkt, kaum Individualisierung |
Die eigentliche Frage hinter der Entscheidung
Ob Baukasten oder Individuallösung, diese Entscheidung ist letztlich eine Ressourcenfrage. Wer am Anfang der Selbstständigkeit steht, sollte das verfügbare Budget lieber in Kundenakquise, Positionierung oder Weiterbildung stecken als in eine aufwendige Website, die niemand zu Gesicht bekommt, weil noch keine Markenbekanntheit existiert.
Eine einfache, gepflegte Baukasten-Website, die klar sagt, wer man ist und was man anbietet, schlägt eine visuell beeindruckende Agenturseite, die niemand findet. Der Schritt hin zu einer komplexeren Lösung kann immer noch kommen, wenn das Geschäft gewachsen ist und die Anforderungen konkret sind.
Wer also 2026 mit einer Selbstständigkeit startet und keine spezifischen technischen Anforderungen hat, fährt mit einem Baukastensystem in der Regel besser als er denkt. Der entscheidende Faktor ist nicht das Tool, sondern was auf der Seite steht und für wen sie gemacht ist.












