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Elektroinstallation beim Hauskauf richtig prüfen

Elektroinstallation beim Hauskauf richtig prüfen

Elektroinstallation beim Hauskauf richtig prüfen

in Immobilien
Lesedauer: 4 min.

Wer ein Haus kauft, denkt zuerst an Grundriss, Lage und Kaufpreis. Die Elektroinstallation landet auf der Prioritätenliste meist weit hinten, obwohl sie über Sicherheit, Versicherungsschutz und Renovierungskosten in erheblichem Maß entscheidet. Ein nachträglicher Austausch veralteter Leitungen in einem Einfamilienhaus kostet schnell zwischen 8.000 und 20.000 Euro, abhängig von Hausgröße, Leitungsführung und dem Aufwand für Putzarbeiten. Diese Summe taucht in keinem Exposé auf.

Warum die Elektrik so oft übersehen wird

Der Zustand einer Elektroanlage ist für Laien schwer einzuschätzen. Steckdosen sehen auf den ersten Blick gleich aus, egal ob die dahinterliegenden Leitungen aus den 1960er Jahren stammen oder erst vor fünf Jahren erneuert wurden. Verkäufer sind rechtlich nicht verpflichtet, aktiv auf Mängel hinzuweisen, die sie selbst nicht kennen oder die ihnen nicht als Mangel erscheinen. Nach dem Notartermin gilt grundsätzlich: gekauft wie gesehen. Ausnahmen greifen nur bei arglistiger Täuschung, was sich vor Gericht schwer nachweisen lässt.

Dazu kommt, dass viele Bestandsimmobilien in Deutschland Anlagen haben, die nach damaliger Norm errichtet wurden und nie grundlegend modernisiert wurden. Das Netz der VDE-Normen hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Was 1975 normgerecht war, entspricht heute in weiten Teilen nicht mehr dem Stand der Technik und kann im Schadensfall zum Problem mit der Gebäudeversicherung werden.

Das Alter der Anlage als erster Anhaltspunkt

Leitungen aus Aluminium wurden in Deutschland hauptsächlich zwischen 1960 und 1975 verlegt. Aluminium-Hausinstallationsleitungen gelten heute als problematisch, weil das Material unter Druck kriecht und sich an Verbindungsstellen lockert. Das erhöht den Übergangswiderstand und damit die Brandgefahr. Erkennbar sind solche Leitungen häufig an ihrer grauen Farbe unter dem Mantel und an einer gewissen Sprödigkeit des Isoliermaterials.

Kupferleitungen aus der gleichen Epoche sind elektrisch unkritischer, jedoch ist die Isolierung nach 40 bis 50 Jahren oft so spröde, dass sie bei mechanischer Belastung reißt. In Häusern der Baujahre vor 1980 fehlt zudem häufig der Schutzleiter (die grün-gelbe Ader). Zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter sind an Steckdosen und Geräten mit Schutzkontakt schlicht nicht kompatibel und stellen ein Sicherheitsrisiko dar.

Was beim Besichtigungstermin konkret zu prüfen ist

Ohne Öffnung der Wände lässt sich keine vollständige Bestandsaufnahme machen. Trotzdem gibt es Punkte, die auch Käufer ohne elektrotechnische Ausbildung kontrollieren können:

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  • Sicherungskasten: Alte Schmelzsicherungen (Schraubsicherungen nach DIN) deuten auf eine Anlage aus den 1970er Jahren oder früher hin. Moderne Anlagen haben Leitungsschutzschalter und mindestens einen FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter).
  • FI-Schutzschalter: Fehlt dieser vollständig, ist das ein klares Warnsignal. Seit 1984 ist er in Neubauten Pflicht, in vielen Bestandsgebäuden fehlt er bis heute.
  • Anzahl der Stromkreise: Ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern sollte mindestens 8 bis 12 Stromkreise haben. Weniger deutet auf eine Anlage hin, die für heutige Lastanforderungen nicht ausgelegt ist.
  • Steckdosendichte: In alten Zimmern findet sich oft nur eine Steckdose pro Wand. Das führt zwangsläufig zu Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabeln, was die Anlage dauerhaft überlastet.
  • Außenbereich und Garage: Leitungen in Feuchträumen, Garagen und Carports brauchen besonderen Schutz. Improvisierte Lösungen mit Haushaltsware sind häufig anzutreffen.

Der Elektriker als Teil der Due Diligence

Ein unabhängiger Elektriker oder ein Sachverständiger für Gebäudetechnik sollte bei Bestandsimmobilien vor der Kaufentscheidung hinzugezogen werden, nicht danach. Die Kosten für eine solche Begehung liegen je nach Region und Aufwand zwischen 150 und 400 Euro, gelegentlich mehr, wenn eine Messkampagne mit Protokoll gewünscht wird. Das ist angesichts des Investitionsvolumens vernachlässigbar. Wer sich vorab über technische Grundlagen informieren möchte, findet beim Elektrikerwissen eine gut aufbereitete Übersicht zu gängigen Installationsthemen.

Wichtig: Der Elektriker soll den Zustand dokumentieren und schätzen, was eine Sanierung kosten würde. Dieses Dokument kann in die Kaufpreisverhandlung eingebracht werden. Verkäufer sind häufig bereit, einen nachgewiesenen Sanierungsbedarf vom Preis abzuziehen, wenn der Nachweis konkret und glaubwürdig ist.

Ladeinfrastruktur und Photovoltaik als neue Anforderungen

Wer plant, in den nächsten Jahren ein Elektroauto zu laden oder eine Photovoltaikanlage zu installieren, stößt mit einer veralteten Elektroinstallation schnell an Grenzen. Eine Wallbox zum Elektroauto komfortabel auftanken braucht einen eigenen Stromkreis mit passendem Leitungsquerschnitt und einen Zählerpunkt, der für diese Leistung ausgelegt ist. Viele Altbauten haben einen Hausanschluss, der für heutige Leistungsanforderungen zu schwach dimensioniert ist.

Das Umweltbundesamt weist in verschiedenen Veröffentlichungen darauf hin, dass die Sektorkopplung von Mobilität und Gebäude an Bedeutung gewinnt. Wer jetzt ein Haus kauft und diese Infrastruktur nicht mitdenkt, zahlt den Aufpreis später. Ein Hausanschlusswechsel inklusive Zählerkasten und Zuleitung zur Garage kostet in vielen Fällen zwischen 3.000 und 6.000 Euro zusätzlich.

Rechtliche Pflichten nach dem Kauf

Mit dem Eigentumswechsel gehen alle Pflichten auf den Käufer über. Dazu gehört auch die Verantwortung für den sicheren Zustand der Elektroanlage. Vermietet der neue Eigentümer Teile des Hauses, greift zusätzlich das Mietrecht: Mängel, die zur Gefährdung der Mieter führen können, müssen beseitigt werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt in den Paragraphen zur Miete die Pflicht zur Instandhaltung, und Gerichte haben in Einzelfällen entschieden, dass veraltete Elektroanlagen als Mangel einzustufen sind.

Wer eine Anlage vollständig erneuern lässt, sollte darauf bestehen, dass der ausführende Betrieb das Ergebnis protokolliert und eine Konformitätserklärung ausstellt. Diese Dokumentation schützt im Schadensfall und ist bei einem späteren Verkauf ein werthaltiges Dokument.

Checkliste für den Besichtigungstermin

Prüfpunkt Worauf achten
Sicherungskasten Leitungsschutzschalter vorhanden? FI-Schutzschalter vorhanden?
Leitungsalter Graue oder braune Leitungen sichtbar? Isolierung rissig?
Schutzleiter Haben Steckdosen einen Schutzkontakt? Dreiadrige Leitungen?
Stromkreisanzahl Mindestens 8 Kreise für normales Einfamilienhaus
Feuchtraumschutz Keller, Bad, Garage: passende Schutzklassen der Leitungen?
Hausanschlussleistung Ausreichend für Wallbox oder Wärmepumpe?

Eine alte Elektroinstallation ist kein automatisches Ausschlusskriterium für einen Hauskauf, aber sie ist ein Verhandlungsargument und vor allem ein Planungsthema. Wer den Zustand kennt, bevor er unterschreibt, kauft mit offenen Augen.

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